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KI- und Medienkompetenz in der Schule – Fortbildung für Lehrkräfte und Workshops für Schüler:innen

KI, Medienethik und Medienproduktion sind längst Schulthema. Wie sich Lehrkräfte dafür fortbilden – und wie Schüler:innen die Kompetenzen selbst aufbauen, indem sie Medien nicht konsumieren, sondern gestalten.

Begriffsnetz rund um Medien- und KI-Bildung: Medienkompetenz, Medienethik, KI-Kompetenz, digitale Grundbildung, Medienproduktion und Demokratiebildung laufen bei i.grow zusammen.

Kaum ein Feld verändert Schule gerade so schnell wie der Dreiklang aus Medienbildung, Künstlicher Intelligenz und Medienproduktion. Schüler:innen wachsen mit generativer KI, Kurzvideos und Algorithmen-Feeds auf. Lehrkräfte sollen sie befähigen, dieses Material einzuordnen – und stehen oft selbst erst am Anfang. Beide Aufgaben hängen zusammen, und beide sind dringend.

Dieser Beitrag ordnet das Begriffsfeld – von Medienkompetenz über Medienethik bis KI-Kompetenz und digitales Storytelling – und zeigt, wie i.appear das Thema auf zwei Wegen bearbeitet: mit Fortbildung für Lehrkräfte und mit Workshops für Schüler:innen in der Bildungsschiene i.grow. Der gemeinsame Nenner: Kompetenz entsteht nicht durch Zuhören, sondern durch eigenes Tun.

Die Begriffe, kurz und sauber getrennt

Im Schulalltag werden viele dieser Begriffe synonym verwendet. Für die Praxis lohnt es sich, sie auseinanderzuhalten:

  • Medienbildung ist der Oberbegriff: das pädagogische Feld, das Menschen im Umgang mit Medien begleitet – analysierend, gestaltend und reflektierend.
  • Medienkompetenz ist das Ziel: Medien verstehen, kritisch prüfen, selbst gestalten und verantwortungsvoll nutzen können.
  • Medienethik ist die wertebezogene Vertiefung: Was darf ich veröffentlichen? Welche Wirkung hat ein Inhalt? Wo verletzt er Rechte, Privatsphäre oder Würde anderer?
  • KI-Bildung und KI-Kompetenz (englisch AI literacy) meinen das Verstehen und den kritischen Einsatz Künstlicher Intelligenz – inklusive Grenzen, Bias in Trainingsdaten, Deepfakes und Datenschutz.
  • Medienproduktion ist die gestalterische Seite: selbst Texte, Fotos, Audio, Video oder interaktive Formate herstellen – vom digitalen Storytelling bis zum fertigen Beitrag.
  • Digitale Grundbildung ist in Österreich der Lehrplan-Rahmen, der diese Fähigkeiten in der Sekundarstufe I bündelt.

Diese Begriffe sind keine Konkurrenten, sondern Schichten desselben Themas. Wer Medienproduktion unterrichtet, berührt unweigerlich Medienethik. Wer KI im Unterricht einsetzt, braucht KI-Kompetenz. Und alles zusammen ist Medienbildung.

Warum das Thema gerade jetzt Druck macht

Der Handlungsdruck ist nicht gefühlt, er ist in Lehrplänen und Gesetzen festgeschrieben. Vier Entwicklungen treffen aufeinander:

  • Digitale Grundbildung ist Pflichtfach. In Österreich ist Digitale Grundbildung seit 2022/23 als verbindliches Fach in der Sekundarstufe I etabliert. Es stützt sich auf das Frankfurt-Dreieck (Technologie, Gesellschaft, Interaktion) und gliedert sich in die Kompetenzbereiche Orientierung, Information, Kommunikation, Produktion und Handeln.
  • Das neue Pflichtfach „Medien und Demokratie“. Ab dem Schuljahr 2027/28 kommt in der AHS-Oberstufe das Fach Medien und Demokratie – mit kritischer Medienanalyse, dem Erkennen von Desinformation und ausdrücklich der Gestaltung eigener Medienprojekte. Was das im Detail bedeutet, haben wir im Beitrag Pflichtfach Medien und Demokratie ab 2027/28 aufbereitet.
  • Informatik wird zu „Informatik und Künstliche Intelligenz“. Der Informatikunterricht der Oberstufe wird umbenannt und ausgebaut – KI rückt damit verbindlich in den Stundenplan.
  • Der EU AI Act verlangt KI-Kompetenz. Seit 2. Februar 2025 gilt mit Artikel 4 der EU-KI-Verordnung eine KI-Kompetenzpflicht: Wer KI-Systeme einsetzt, muss sicherstellen, dass die handelnden Personen über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Für Schulen heisst das: Lehrkräfte und Schüler:innen.

Dazu kommt die Diagnose hinter der Reform: Laut der internationalen Vergleichsstudie ICILS 2023 erreichen rund 39 Prozent der getesteten 14-Jährigen in Österreich nur die unterste Kompetenzstufe oder bleiben darunter – sie können digitale Inhalte allenfalls oberflächlich verarbeiten. Das EU-Ziel für 2030 liegt bei höchstens 15 Prozent. Medien- und KI-Kompetenz ist damit keine Kür mehr, sondern Grundbildung.

Genau an dieser Stelle entsteht der doppelte Bedarf: Schüler:innen brauchen die Kompetenzen – und die Erwachsenen, die sie vermitteln sollen, brauchen Sicherheit im Umgang mit dem Thema.

Strang 1: Lehrkräfte fortbilden

Ein neues Fach steht im Lehrplan – die Methoden dafür sind aber nicht automatisch im Repertoire jeder Lehrperson. Partizipative, projektorientierte Medienarbeit und der reflektierte Einsatz von KI-Werkzeugen sind etwas, das man am besten selbst erlebt, bevor man es unterrichtet. Das ist keine Kritik, sondern eine Folge davon, dass dieses Feld neu und in Bewegung ist.

i.appear setzt hier mit Fortbildungsformaten an, die genau diese Lücke schliessen. Inhaltlich geht es um:

  • Medienethik in der Praxis – nicht als abstrakte Theorie, sondern an konkreten Entscheidungen: Was veröffentliche ich mit einer Klasse, unter welchem Namen, mit welcher Wirkung?
  • KI verstehen und einordnen – wie generative KI funktioniert, wo sie nützt, wo ihre Grenzen liegen, und wie man Bias, Deepfakes und Datenschutz im Unterricht thematisiert.
  • Medienproduktion anleiten – wie man Schüler:innen durch einen vollständigen Zyklus aus Recherche, Gestaltung und Veröffentlichung begleitet.
  • Methode statt Rezept – damit Lehrpersonen die partizipative Arbeitsweise danach auch ohne externe Begleitung weiterführen können.

Diese Formate lassen sich als schulinterne Fortbildung (SCHILF) oder schulübergreifende Fortbildung (SCHÜLF) umsetzen und anknüpfen an die etablierte Vortrags- und Fortbildungspraxis von i.appear an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg. Getragen wird das von Marilena Tumler, Historikerin, Philosophin und Medienethikerin, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Gestaltung der FH Vorarlberg unter anderem Medienethik und Design Futuring lehrt. Forschung und Schulpraxis greifen so direkt ineinander.

Der Leitgedanke: Wer mit einer Klasse einmal partizipative Medienarbeit umgesetzt hat, kann sie danach selbst halten. Fortbildung ist hier kein Vortrag zum Mitschreiben, sondern ein Erleben der Methode aus der Perspektive der Lernenden.

Strang 2: Schüler:innen zu Gestalter:innen machen

Der zweite Weg richtet sich direkt an die Klassen. In den i.grow-Workshops werden Schüler:innen nicht zu Konsument:innen, sondern zu Autor:innen, Kurator:innen und Vermittler:innen digitaler Inhalte. Sie recherchieren, prüfen Quellen, entscheiden dramaturgisch, produzieren Medien, wägen ethisch ab und veröffentlichen – genau jene Kette, die Lehrpläne unter „eigene Medienprojekte gestalten“ zusammenfassen.

Ein ausgearbeitetes Beispiel ist der Workshop „Aufwachsen mit KI“, der über das OeAD-Netzwerk österreichweit für Schulen buchbar ist. Er folgt einem klaren Dreischritt über drei Projekttage:

  1. Verstehen – Wo begegnet uns KI im Alltag? Woraus „lernt“ sie, und wo entsteht Bias? Wie erkennt man Deepfakes und KI-generierte Inhalte?
  2. Gestalten – Die Klasse produziert eigene multimediale Inhalte: Bild, Video, Audio, AR – mit und ohne KI, und reflektiert den Unterschied.
  3. Reflektieren – Präsentation und Wertediskussion: Welche Zukunft wollen wir, welche Kompetenzen brauchen wir, welche Werte müssen wir aushandeln?

Dahinter steht ein Peer-to-Peer-Prinzip: Eine Klasse erstellt Inhalte, i.appear kuratiert sie fachlich, und andere Schulen nutzen das Ergebnis als Unterrichtstool. So wächst mit jedem Projekt ein schulübergreifendes Netzwerk peer-produzierter Bildungsinhalte. Wie ein solcher Prozess konkret abläuft, beschreibt der Beitrag Wie ein i.grow-Projekt funktioniert.

Dass das keine Theorie ist, zeigen drei veröffentlichte Schulrundgänge in Vorarlberg: Buntes Dornbirn (plurale Gesellschaft und Wertekonflikte), Ein Oktobertag (die Bombardierung Feldkirchs 1943, erarbeitet aus Archivquellen) und Zusammenwachsen (Werte und Gemeinschaft einer Klasse der MS Levis Feldkirch). In allen drei Projekten waren Jugendliche die Autor:innen – und die Ergebnisse sind dauerhaft öffentlich, ohne App, ohne Registrierung, ohne Datenerhebung.

Was beide Stränge verbindet

Fortbildung und Schüler:innen-Workshop sind kein Gegensatz, sondern zwei Eintrittspunkte in dieselbe Haltung: vom Konsumieren zum Gestalten. Medienethik ist dabei nicht ein Kapitel am Ende, sondern läuft durch jeden Schritt – bei der Quellenwahl, beim Umgang mit KI-Werkzeugen, bei jeder Veröffentlichung.

Die folgende Übersicht zeigt, wie das Begriffsfeld in der Praxis von i.appear zusammenläuft:

Kompetenzfeld Fortbildung für Lehrkräfte i.grow-Workshop für Klassen
Medienkompetenz Quellenkritik und Mediennutzung didaktisch vermitteln Recherchieren, Quellen prüfen, Inhalte einordnen
Medienethik Ethische Entscheidungen im Schulkontext reflektieren Verantwortung bei jeder Veröffentlichung abwägen
KI-Kompetenz KI-Werkzeuge verstehen, einordnen, datenschutzkonform einsetzen KI erproben, Deepfakes erkennen, Bias diskutieren
Medienproduktion Produktionsprozesse anleiten und begleiten Audio, Video, Bild, AR und Storytelling selbst gestalten
Demokratiebildung Anschluss an „Medien und Demokratie“ herstellen Perspektiven aushandeln, öffentlich Position beziehen

Das didaktische Modell dahinter folgt drei Linien: forschendes Lernen (Recherche, Interview, Archiv), gestalterische Praxis (Storytelling, Audio, Bild, Karte) und kontinuierliche Reflexion (Was machen wir gerade? Welche Wirkung hat das? Was wäre fair?). In den Begriffen der digitalen Grundbildung deckt das die Bereiche Information, Kommunikation, Produktion und Handeln ab.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Medienkompetenz und Medienethik?
Medienkompetenz ist die Fähigkeit, Medien zu verstehen, kritisch zu prüfen und selbst zu gestalten. Medienethik fragt zusätzlich nach Verantwortung: Was darf ich veröffentlichen, welche Wirkung hat ein Inhalt, wo verletzt er Rechte oder Würde anderer? Medienethik ist die wertebezogene Vertiefung von Medienkompetenz.

Was bedeutet KI-Kompetenz (AI literacy)?
Die Fähigkeit, Künstliche Intelligenz zu verstehen, sinnvoll und kritisch einzusetzen und ihre Grenzen und Risiken einzuschätzen – etwa Bias in Trainingsdaten, Deepfakes oder Datenschutz. Seit 2. Februar 2025 verlangt der EU AI Act (Artikel 4), dass Organisationen, die KI einsetzen, ausreichende KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden sicherstellen. Das betrifft auch Schulen.

Wie können sich Lehrkräfte zu KI und Medienbildung fortbilden?
Über Pädagogische Hochschulen, schulinterne (SCHILF) und schulübergreifende (SCHÜLF) Fortbildungen sowie über externe Anbieter. i.appear bietet praxisorientierte Fortbildungsformate zu Medienethik, KI und Medienproduktion an – Lehrkräfte erleben die partizipative Methode selbst, bevor sie sie mit einer Klasse einsetzen.

Ab welchem Alter sind KI- und Medien-Workshops für Schüler:innen sinnvoll?
Sinnvoll ab der Sekundarstufe I, also etwa ab der 5. Schulstufe, passend zum Pflichtfach Digitale Grundbildung. Die i.grow-Workshops sind für die Sekundarstufe I konzipiert und lassen sich an Ethik, Politische Bildung, Geschichte, Informatik und das künftige Fach Medien und Demokratie anschliessen.

Was fordert der EU AI Act von Schulen?
Seit 2. Februar 2025 gilt die KI-Kompetenzpflicht aus Artikel 4: Wer KI-Systeme betreibt, muss sicherstellen, dass die handelnden Personen über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Für Schulen heisst das, Lehrkräfte und Schüler:innen im verantwortungsvollen Umgang mit KI zu schulen. Bis zur weiteren Konkretisierung gilt im Unterricht primär die DSGVO.

Was ist Medienproduktion im Unterricht?
Schüler:innen gestalten selbst Inhalte – Texte, Fotos, Audio, Video, digitales Storytelling oder interaktive Formate – statt Medien nur zu konsumieren. Medienproduktion ist im Lehrplan der Digitalen Grundbildung als eigener Kompetenzbereich verankert und das Herzstück der i.grow-Workshops.

Ein Feld, zwei Eintritte, eine Adresse

Ob eine Schule ihre Lehrkräfte fit machen oder direkt mit einer Klasse arbeiten will: Es ist dasselbe Fundament – sechs Jahre Erfahrung mit ortsbezogenen Medienprojekten, eine doppelte wissenschaftliche Basis aus zwei Masterarbeiten an der Universität Wien, eine ausgearbeitete Lehrplan-Verschränkung und eine Plattform, die Privacy by Design ernst nimmt.

Medien- und KI-Kompetenz lässt sich nicht delegieren und nicht herunterladen. Sie entsteht, wenn Menschen – Lehrkräfte wie Schüler:innen – selbst gestalten, prüfen und verantworten. Genau dort setzt i.grow an.

→ Mehr zur Bildungsschiene: i.grow – Medienbildung, Demokratiebildung & KI-Bildung
→ Der KI-Workshop im Detail: Aufwachsen mit KI
→ Für ein erstes Gespräch zu Fortbildung oder Workshop: marilena@iappear.app

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